Alexanders Weblog

just another wwF-weblog

Archiv für September, 2008

Ausflug auf’s Plataeu

Fabian lud Jara und mich ein, den Abend mit ‘nem wundervollen Ausblick auf die Stadt, Bier und anschließendem Sonnenuntergang zu verbringen. Sport in Form von Fußball war als Alternative nicht mehr haltbar und so holte er uns zügig ab und wir machten uns im großen 4×4 auf den Weg über den Flus und rauf auf die „Berge“. Die Fahrt dahin war ein riesen Erlebnis. Allradantrieb an und eine schlingernde Fahrt über Sandwege mit hoher Hirse zu beiden Seiten begann. Bei dem Aufstieg wurde klar, dass der Geländewagen unbegint nötig war und wir fuhren in Schrittgeschwindikeit über „Stock und Stein“! Oben angekommen ging es kurze Zeit einfach der Sonne entgegen, bis wir am Rand des Plateaus angekomen waren. Angekommen wurden die Getränke der Kühlbox im Kofferaum entnommen und wir setzten uns an den Abgrund. ^^ Klischeemäßiger Weißbrot-Touris-Ausflug. Aber unbeschreiblich schön. :) Aussicht über ganz Niamey, den Niger und alles bei versinkender Sonne. Wir genossen den Abend und machen uns nach Sonnenuntergang auf den Rückweg, was sich aufgrund der direkt eintretenden Finsternis – Dämmerung und tiefste Nacht innerhalb von ca. ‘ner halben Stunde – als ein Problem entpuppte. Der Rückweg war in der kompletten Finsternis nicht direkt zu finden und so fuhren wir ein wenig hin und her, bis wir die Straßehinunter fanden. Kein Problem. Wir haben es rel. schnell gefunden, weil die Richtung klar war. Danach haben wir noch im Marquis Masaki, direkt bei uns zu Hause um die Ecke, Brouchetten (Fleischspieße) und Fritten gegessen. Dann noch „das Leben der anderen“ auf dvd geschaut und schließlich auch mal schlafen gegangen. ^^ Ein für afrikanische Verhältnisse eher ungewöhnlicher, aber deshalb ungemein netter Abend!

<< Mehr Fotos! >>

schwerwiegendes Problem:

ich muss bald zum Friseur. Hilfe! Wohin?
naja, ich werde das in Angriff nehmen und Informationen einholen. Einer der zahlreichen dt hier wird mir bestimmt einen Tipp geben können. ^^
Wollte nur mal wieder Bewusstsein für dt. „Probleme“ in Afrika geben und nehme es mit Humor.

große Ramadanfete im Museum

Wie jedes Jahr organisiert das Museum zum Ende des muslimischen Fastenmonats ein großes, zweitägiges Fest. Sie erhoffen sich dadurch riesige Einnahmen und ganz viel Werbung. Wird also das Ende des Ramandans, was ja bekanntlicher Weise vom Stande des Monds abhängt, per TV verkündet, stürmen (laut Erzählungen) direkt alle Muslime hier in der Umgebung ins Museum um zu feiern. :) Man munkelt es werde am Dienstag beginnen und alle sind schon ganz wuschig. Alles arbeitet nur darauf hin, keiner spricht mehr von was anderem (nur die ded-mentorin ht die deadline für die weltwärtsprojekte auf den esttag gelegt). Alle Tiere wurden geimpft, neue Schlößer an die Käfige und der Service educatif (Jaras Bereich) hat die konkrete Planung fast abgeschlossen. Für das Konzert wurden über Jara die jungen Raper der Scene Ouverte Rap angeworben, verschiedene (Verbots-)Schilder haben sie durch mich erstellen lassen. Listen hänen aus, denen zu entnehmen ist, wer welche Aufgabe inne haben wird. Ich habe mich „breitschlagen“ lassen, zu Filmen. Jaras Kollege habe zu viele Frauen aufgenommen, sodass letztendlich wenig brauchbare Aufnahmen der vergangenen Feste im Kasten waren. ^^ Alles freut sich wahrscheinlich auch, weil gerade eben das Ende des Ramadans vor der Tür steht und somit endlich wieder tagsüber gegessen/getrunken und der Frau die Hand gegeben werden darf! Dienstag also, die große Fete und die Einnahmen des Jahres für das Museum und voraussichtlich auch der Pantherkäfig – die „hängen momentan übrigens irgendwo fest“, weil es kein passendes Transportmittel gebe…

lost in translation

Wir haben eine neue „Mitarbeiterin“ bekommen. Amerikanerin, Biologin, 26 und PeaceCorp’lerin: Rose. Sie ist wie ich dem Zoo zugeteilt und wird größtenteils mit den Tieren direkt arbeiten. Bzw. mit ihren Käfigen. Sie habe in den USA auch schon in Zoos gearbeitet und wird hier mit den Tierpflegern zusammen Tiere und Käfige reinigen. Sie ist ebenfalls in unserem Büro untergebracht. Das spannede daran ist, dass wir sie kin Französisch spricht, sondern nur rel. fließend Djerma. Die Leute hier im Zoo sprechen allerdings so gut wie null Englisch und auch nicht alle Djerma, wasjara und mich wiederum fordert: wir spielen Übersetzer. ^^ Das ist unfassbar anstrengend. Das ständige Wechseln zwischen Französisch und Englisch, lustig. Ganz wuschig war ich nach einem der vielen Meetings hier, wo sei mit dabei saß. Alles wurde durcheinander gesprochen. Französisch, Djerma, Deutsch und Englisch. Zu krass, nebenbei hab ich ihr den Verlauf des Gesprächs in englisch auf ihren Schreibblog notiert. ^^ Echt lustig und in den Pausen unterhalte ich mich auf englisch mit ihr. Immerhin ist es ja naheliegend, dass das ständige Wechseln mir und meinem Kampf mit den Spachen helfen wird.

Maloche

Neuigkeiten? Naaaja, es geht. Es hat in der letzten Zeit einige „Réunions“ (Meetings) gegeben, wo genau das Gegenstand war. Es ist echt interessant zu sehen, wie bemüht und motiviert vor allem die Afrikaner, also unsere Direken Chefs/Mentoren in diesen Momenten erscheinen. Richtig konstruktiv werden die Vorschläge, die unserer ded-Mentorin vorträgt, aufgenommen und weitergesponnen. Ideen, wrden diskutiert und sogar vorsichtig Kritik geübt. Bei der letzen wurden wieder komplett andere Projekte „vereinbart“ als bei der vorherigen. Naja, ein Außenstehender würde es wharscheinlich als chaotisch beschreiben, aber letzendlich ist es egal und nicht großartig schlimm.
Fakt ist, dass wir (Rabiou, mein ZooChef und ich) den Antrag auf den bereits beschriebenen „Guide de Visite“ bei dr Museums-Direktion eingereicht haben, welcher zusammen mit dem „Gelder-Antrag“ danach dann an den ded gehen wird. Eigentlich war ein anderes Projekt vorgesehen, aber wer soll bei all den ständig wechselnden Erwartungen noch den Überblick behalten. So wird nun doch das von Anfang an vom Zoo beschlossene Projekt des Zooführers in Angriff genommen. D.h. meine Abeitsbereiche werden weiterhin Fotos, Tiertexte und Buchlayout umfassen. Wenn man sich das mal so überlegt könnte das eine extrem freie und vor allem kreative Aufgabe werden. Ich bin gespannt ud halte Euch auf dem Laufenden!

Arbeitsstatus

Momentan verbringe ich meine Arbeitszeit mit den Vorbereitungen zur Erstellung des besagten „Dokuments“, was Rabiou, der Zoochef – mein Vorgesetzter, als Projekt überlegt hat.
Es soll also ein Tierbuch entstehen, was die jeweiligen afrikanischen Tiere vorstellt und dabei das „Leben in freien Wildbahn und in Gefangenschaft“ gegenüberstellt. Beim letzen Besuch meiner ded-weltwärts-Koordinatorin hat sie allerdings festgestellt, dass Rabiou noch nicht genau weiß, für wen das Buch wirklich gedacht sein soll. Es muss also noch die Zielgruppe gefunden und festgelegt werden, bevor der ded seine Unterstützung zusichert. Hierbei fielen im direkt Kinder ein, Zoobesucher, aber auch Schulkinder. Das Buch solle also an Schulen gehen. Christina, besagter weltwärts-Frau bemerkte glücklicher Weise, dass es da noch einiges zu klären gibt, bevor die Zusage gegeben werden kann und verabredete deshalb ein erneutes Treffen. Bis dahin solle sich mein Chef nochmal mit der Direktion zusammensetzen und die Frage der Zielgruppe klären. Ich bin gespannt, was das ergeben wird.

Die letzten Tage habe ich damit verbracht, die Zootiere in ihren Käfigen möglichst „schön“ zu fotografieren, denn natürlich sollen auch Bilder ins das Buch. Gitterstäbe und Käfig sollen dabei schwerpunktmäßig gut erkennbar sein. Es ist eine komische Arbeit. Nicht einfach nur Fotosknipsen.

Ich als weißer und dann vor allem mit einer Fotokamera bewaffnet errege bei den vornehmlich jungen Gästen noch immer großes Aufsehen und so sind immer ein paar Kinder um mich rum und fragen, ob ich vom TV, oder der Presse komme. Was ich dabei nochmal ungemein mitbekommen, sind die Verhältnisse, in denen die Tiere leben müssen: „viel zu kleine“ Käfige, wundgelegene Stellen im Fell der Löwen, welche in immer den selben Bahnen, hinter ihren Gitterstäben herumrennen…

Interessant hierbei: Ich habe eine Art mal näher betrachtet, an denen man eher einfach vorbei geht. Dabei stellte ich fest, dass sie einen enorm entspannten Eindruck machen und dabei fast „süß“ in ihrem verhältnismäßig großen Gehege dreinblicken: die Geier^^

http://lh3.ggpht.com/AlexanderUndMichael/SM5a9DXkBoI/AAAAAAAAA9M/Oa7hYpVpNIg/s400/P9110282.JPG

Jetzt bin ich gespannt, was das nächste Zusammentreffen ergeben wird, denn das Entwerfen von Tiersachtexten stelle ich mir doch ein wenig eintönig für die kommende Zeit vor. Auch, wenn ich dabei das Französisch evtl. perfektionieren kann, stelle ich mir kreativere Aufgaben vor. Z.B. den Plan meiner ww-Koordinatorin eine Art interaktiven Parcour für Kinder zu entwerfen und dann in den Zoo zuintegrieren. Das ist in Deutschland der absolute Renner, wie sie in ihrem 2 monatigen Urlaub gesehen habe. Sie stellt sich dabei „Weitspungversuche“, „Luftanhalte-Tests“ oder „Fühlkästen“. An den Stellen, sollen die Kinder erstaunt feststellen, wie und was für überraschende Fähigkeiten die Tiere haben. Ich sehe darin ein Projekt, was nicht nur mir Spaß machen würde, sondern auch eine gute Möglichkeit ist, dem Museum/dem Zoo ein wenig neue Attraktiver zu verleihen. Außerdem bietet es dem ded eine gute Möglichkeit, den für ww-Stellen bereitgestellten Etat sinnvoll umzusetzen.

Ich bin gespannt, ob sich das vorgesehene Buch doch noch durchsetzen wird. „On va voir!“

Ach, wenn Ihr irgendwelche Ideen und Anregungen habt, schäumt Euch keinesfalls, sie mir zukommen zulassen, mit mir zu diskutieren oder einfach als Kommentar hierzulassen.

Derby-Liveübertragung!

Damit gerechnet, dass ich das Spiel woanders als im Internet-REL-Radio-Stream verfolgen würde, hatte ich nicht im geringsten, als wir uns auf den Weg in Richtung „Moustache“ machten.

Ich hatte mich mit Kinsay und George, den beiden Nigerianer, mit denen ich inzwischen regelmäßig Fußball spiele, verabredet, um mit ihnen gemeinsam zur „Sportsbar“ zu fahren. Beide hatten mir zuvor versichert, dass dort neben Premier League (beide sind Arsenal Fans) auch Bundesliga übertragen werde könne. Skeptisch war ich allerdings vor allem, weil ich vorher mit wahrscheinlich jedem Deutschen gesprochen hatte, um dann zu erfahren, dass es unmöglich sei, hier im Niger BL per TV zu empfangen. Kinsay war glücklicher Weise nicht zu irritieren und so machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Wir steigen aus dem Taxi aus, wenden uns dem baufälligsten Gebäude weit und breit zu und gehen zwischen zwei Häusern durch einen engen Gang in Richtung Hinterhof. Schon da ist die Atmosphäre nicht nur verdächtig, sondern auch speziell fußballtypisch. :)
Am Ende des Gangs steht ein „fetter Afrikaner“ – sorry, er war wirklich untypisch korpulent für einen Afrikaner hier. Kinsay spricht mit ihm und stellt mich vor. Englisch wird hier gesprochen. Hinter dem Besitzer, wie sich herausstellte, erstreckt sich der Hinterhof, der durch einen „Hangar“ (Strohdach) vor Sonne geschützt wird. Darunter tummeln sich Unmengen an Einheimische – 60 bis 70, geschätzt – vor zwei Fernsehern, wo jeweils Liverpool gegen ManU gezeigt wird. Ein dritter steht ausgeschaltet daneben. ^^ Mein Herz schlägt schneller! Endlich, nach fast 1,5 Monaten kann man wieder eine solche Stimmung miterleben und dann noch das Schalkespiel sehen!?!? Geil. Es lässt zumindest hoffen!
Der Typ am Eingang sagt, er wolle eigentlich ein anderes Spiel zeigen. Ich erkläre ihm die Brisanz der Begegnung und versichere ihm, es werde ein spannendes Match werden, Kinsay stimmt mir zu. ^^ Er erweckt den Eindruck, dass hier jemand eine Chance wittert, an einen besonderen Dienst, besonders zu verdienen. Ich versuche ihm das schnell auszureden, indem ich sage, ich könne auch problemlos ins Internetcafé zum Radio gehen. Umso erleichterter bin i ch, als er schließlich einen „Mitarbeiter“ los schickt, den entsprechenden Receiver zu holen und mir einen Platz hinter all den anderen Leuten zuweist. Jetzt wird’s spannend, denn es fiehl mir immer noch ungemein schwer zu glauben, dass dt. Fußball hier überhaupt empfangbar ist. Schnell werde ich des besseren belehrt. Über einen arabischen Satelliten wird auf „Dubaisports“ tatsächlich das PremiereBild und der Rasen des Westfalenstadion sichtbar. Das Spiel läuft. Mir wird erklärt, dass sobald das andere Spiel zu Ende sei, es auch leerer werde und wir uns auf eine der Bänke setzen können.
Gesagt getan, traurigen ManU-fans verlassen schnurstracks die Bude. Uns werden Plätze zugewiesen. Für das Schalkespiel zahle ich 100 mehr als gewöhnlich, weil es extra „aufgesetzt“ werde, insgesamt also 400 CFA. Ich muss gestehen, alles drum herum ist mir egal, denn ich sehe eine wunderbare erste Halbzeit und insgesamt ein spannendes Spiel. Schalke! Und das auch noch unerwartet in Afrika. Parallel läuft das Arsenal-Blackbury spiel, was wirklich jeden im Raum, abgesehen vom einzigen Weißbrot brennend interessiert. Lediglich, bei Elfmetern oder „gefährlichen Situationen“ oder während der englischen Halbzeit, fiebern ein paar andere mit. Lustig: bei den Toren springt nur das Weißbrot auf^^ Und darauf hin fangen auch andere an sich zu freuen^^ Eine sehr lustige Erfahrung! „Give me a shirt, to supportyour team“ Und bei Aktionen wie beim Ernst-Foul, kommen Bemerkungen wie: „that’s german football“ ^^ auf. Ich muss nochmal klarstellen, dass eine solche Begegnung quasi Krieg sei. Überrascht, bemerken die andern Zuschauer, dass Schalke zwei Spieler verliert und lächeln, als dann noch der Ausgleich fällt…
Es war ne super Sache und einer der schönsten Tage seit meiner Ankunft^^ Fragwürdig bleibt lediglich bzw. eigentlich ist es unwahrscheinlich, dass das Spiel ausgesucht werden kann, welches aus Deutschland übertragen wird. Wahrscheinlicher ist, dass Dubaisports (hoffentlich) immer BL überträgt, aber halt nur das Spiel des Tages. Mal sehen, wann ich also die nächste Schalkebegegnung live sehen kann… Sicher ist, und das habe ich auch dem freundlichen Chef des Ladens erklärt:In dem Schuppen war ich nicht zum letzen Mal! Ärgerlicher ist, dass dort regelmäßig Championsleauge gezeigt wird! Dfb- oder Uefa-Cup…. Naja.

Traurige Sache…

Heute Nacht hat es eines der Zootiere dahin gerafft. Ein schwerer Schlag, es war das einzige seiner Art. Im wahrsten Sinne hatte es wohl vor zu gehen, denn es ist aus seinem Gehege geflohen. Gestern, als wir eine Besuchertour gemacht haben, haben wir schon ein ungewöhnliches Verhalten bemerkt: er wirkte nachdenklich, war ganz ungewohnt ruhig und besucherdesinteressiert. Es handelt sich um das mit Abstand coolste Tier des Zoos: den Otter >> Foto hier <<, der durch seine freundliche, interessierte und aktive Art der Gefangenschaft zu trotzen schien und dadurch wohl, meiner Meinung nach, der geheimerHaupt-Publikumsmagnet war, ist bei seiner Flucht umgekommen. Nachts ist er ausgebüchst, das Problem bei der Sache: Auf dem Weg in die Freiheit war er gezwungen Krokodilgehege zu durchqueren. Rechts : eine große Anzahl von kleinen „Baby“-, links: Drei ausgewachsene Krokodile . Auf dem Weg durch das Terrain zur Linken hat es ihn dann erwischt.

Heute Morgen wunderte ich mich über das rege Treiben bei seinem Gehege, habe mich aber nicht weiter drum gekümmert. Später wurde ich angerufen, ich solle doch mit meiner Kamera zur besagten Stelle kommen. Dort erklärte mir der Chef, was passiert ist. Jetzt solle ich doch „schöne Fotos von dem Otter im Maul eines Krokodils machen“ … Ein Pfleger stochert extra im Wasser rum, um die Krokodile erneut auf den noch im Wasser triebenden, leblosen Otterkörper, aufmerksam zumachen. Vergebens. Somit entstehen auch keine brauchbaren, „schönen“ Fotos.

Besuch aus Ghana

Am Montag standen plötzlich zwei Weißbrote unseren Alters im geräumigen „Weltwärts-“Büro. Jara springt auf und begrüßt sie herzlich, ich schaue wohl etwas irritiert drein. Midu und MarioDann werden mir die Beiden, Midu und Mario, zwei Weltwärts’ler, die zusammen mit Jara auf dem Vorbereitungsseminar waren und somit zur ersten Weltwärts-Welle gehören, vorgestellt. Sie sind seid 6 Monaten in Ghana, dem „größten Volunteer-Stadt Afirkas“, in Accra und haben sich nun 7 Tage Urlaub gegönnt, um den östlichen Teil Westafrikas abzugrasen. Sie sind von Ghana, nach Togo, durch Benin innerhalb von drei Tagen gereist und schließlich in den Niger gekommen. Hier haben sie sich dann daran erinnert, dass doch auch jemand im Museum arbeiteten würde. So sind sie einfach mal vorbeigekommen, um uns zu Besuchen. Ihre letzte Busfahrt dauerte 24h und inklusive an der Grenze davon rauschendem Bus, indem das komplette Gepäck und alle Wertsachen waren und verrücktem, pausenlos Spuckendem Mitfahrer, der schließlich gefesselt werden musste…. Nach kurzem Aufenthalt wollen sie weiter über Mali, Burkina, zurück nach Ghana. Wir nehmen die Beiden „also an die Hand“, erzählen ihnen, dass sie wegen der Tuareg-Unruhen nicht ins Air-Gebirge, nach Agadez dürfen, empfehlen ihnen die Schwimmbäder und stellen den Kontakt zu M Balla her, damit sie auch in den Genuss einer kleinen Kameltour kommen. Nach kurzer Anfrage bei der ded-Direktion, steht sogar einer Übernachtung in einem „unserer“ beiden Häuser nichts im Wege. Als wir sie Nachmittags, nach der Arbeit wiedersehen, wollen sie eigentlich Nachts direkt weiter. Niger erscheint „sooo langweilig“. Am Abend haben sie ihre Meinung schon geändert und „Niger sei so viel entspannter als Ghana und all die anderen von ihnen besuchten Länder“! Sie bleiben, lassen sich von uns durch die Straßen führen, Essengelegenheiten und die Bars zeigen. Immer wieder die Feststellung, dass in Ghana die Menschen so unfreundlich, offensiv und gestresst seien. Als sie sich nach zwei Nächten verabschieden, wollen sie sich hier zu uns in den Niger versetzen lassen. Die zahlreichen Parties und die große Anzahl an gleichaltrigen Volunteers sprechen zwar durchaus für ihr bisheriges Land, der Niger biete aber ein viel angenehmeres Rundherum. Schließlich fahren sie Mittwoch Morgen um 5 Uhr weiter, um nach Timbuktu zugelangen. Wir tauschen Kontaktdaten und verabreden uns für einen gemeinsamen Urlaub auf den Kap Verden :)

Kamel- und Piroguentour

Am vergangenen Sonntag stand mal wieder ein afrikanischer Freizeit-/Touriausflug auf dem Programm. Andrea, eine Freundin von Jara, die für den Arbeiter Samariterbund arbeitet, hatte nach Absprache mit Olaf, eines jungen ded Mitarbeiters, Jara und mir, mit  M. Balla Kontakt aufgenommen und die Exkursion auf die Beine gestellt. Geplant war ein „Rundtrip“ am Fluß entlang, erneut über Boubon: Auf Kamelen also flußaufwärts bis zum Dorf und von dort dann per Pirogue – das sind die kleinen „Kanus“ hier – wieder zurück zum Startpunkt. Morgens trifft man sich also am abgelegenen Hotel „Les Roniers“, was in idyllischer Umgebung ein paar Kilometer außerhalb von Niamey liegt,  auf der Gartenterrasse. Zusammen mit Bernd fahren alle Teilnehmer weiter zu den Kamelen, die in einem kleinen Dorf an der Straße in Richtung Tillabéry warten.

Tücher auf den Kopf, auf den Kamelrücken und rappazapp geht’s los.  2,5h sitzen wir nun auf dem vergleichsweise harten Holzsattel in luftiger Höhe und schaukeln fröhlich und entspannt dahin. Es  ist  echtangenehm, denn in der Höhe weht schon wieder ein kühles Lüftchen, das die Hitze der ballernden Sonne etwas kompensieren kann. Wir kommen vorbei an vereinzelt verstreuten Hütten, „Einsiedlern“, die mit ihren Ziegen-/Schafsherden hier auf dem Land leben und meist noch etwas „Getreide“ anbauen. Wie ihr den Bildern entnehmen könnt ist die Landschaft nicht sonderlich vielfältig . Eine Ausnahme stellt der unwahrscheinliche große Golfplatz dar, welcher auf ungefähr halben Weg nach Boubon gelegen ist. Am WoE scheint er ein gefragtes Ausflugsziel für Weißbrote zu sein, die sogar mit kleinen Proppellerflugzeug anzureisen scheinen. Der Platz wirkt verhältnismäßig – soweit ich das beurteilen kann – groß, kein Wunder, es ist ja auch Platz ohne Ende… So nehmen die Fähnchen einen Großteil des Landschaftsbild für sich in Anspruch.
Nach einem Abstieg in ein Flußbett, welcher höchste Konzentration der „Reiter“ benötigte, da die Kamele ihre ABS-Socken zu Hause gelassen hatten und ihre Füße wie auf Eis den Sand hinunterrutschten, kommen wir durch Hirsefelder und zerklüftete Sand-/Steingegend nach Boubon.

Wir waren ja schon einmal zusammen mit Abdu und dem Lehmhüttentrio da, allerdings  an einem Mittwoch, dem Markttag. Der Unterschied ist unvorstellbar: Es ist rein gar nichts los im Dorf! Wo Mittwochs jeder Zentimeter mit Vieh, Reis,Kleidern, Ständen und Menschen vollgestopft ist und soweit das Auge reicht lärmende Menschenmassen durch die engen Gassen schieben, herrscht gähnende Leere und nahezu gespenstische Stille! Auch die Gassen sind nun mehr breite Straßen. Lediglich eine Gruppe sich im Fluß badender Frauen/Kinder sind als einzige Bewohner auszumachen.

Wir besuchen Monika, eine Schweizerin, die seit nunmehr 16 Jahren in Boubon lebt und Töpfert. Sie arbeitet mit der Bevölkerung zusammen und macht unter anderem Schulungen für Organisationen im Lehm-energiespar-ofenbau. Sie betont, dass sie seit ihrer ganzen Zeit hier, noch nie eine so ertragreiche Regenzeit erlebt habe. 

Wir verabschieden uns und setzen mit einer Pirogue zum Campingplatz auf einer Insel mitten im Niger über. Die Pirogue hat diverse Lecks, Ausbesserungen und die Bereitstellung einer zweiten werden von M Balla angeordnet.
Wir betreten das schön und in komplett ruhiger Gegend gelegene „Restaurant“ des „Campingplatzes“. Hier ersetzt man in dem imaginären europäischen Campingplatzbild  die üblichen Zelte durch kleine Rundhütten mit Strohdach. Es ist nichts los – Stille. Das Schwimmbecken ist, bis auf eine kleine Pfütze, leer. Kein Wasser und der bis vor kurzem dort gehaltene „Lesard“ ist anscheind mit den letzen Gästen  wieder „nach Hause“ gegangen. Es gibt überraschender Weise Cola – eiskalt – und die von uns mitgebrachten Lunchpakete.

Danach geht’s wieder zurück ans Ufer, wo nun zwei Piroguen samt „Mannschaft“ auf uns warten: Eine mit, die andere ohne „Hangar“, einem gerngesehenen, schattenspendendem, geflochtenen Dach. Die Weltwärts’ler steigen in das … Richtig!  ohne Dach, die anderen drei pflanzen sich in den Schatten. Es geht los, flußabwärts. Jeweils ein Ruder-/Steuermann sitzt wie im Kajak hinten und manövriert uns  durch Untiefen und an den zahlreichen Inseln vorbei. Komisch, dabei ist, dass man aus Deutschland solche Touren zwar gewöhnt ist, man aber eigentlich selbst  das Ruder in der Hand hat und das sogar noch als  spaßige Unternehmung Kanu-/Kajaktour bucht. Hier unvorstellbar. Die Weißbrote werden also ganz traditionell durch die Gegend kutschiert. …

Es ist inzwischen früher Nachmittag und die Sonne ballert fröhlich vor sich hin. Direkt über der bräunlich, trotzdem reflektierenden Wasseroberfläche werden wir gebraten. Hippos sind vor uns schon weiter Richtung Niamey flußabwärts  gezogen, sodass wir vergeblich danach ausschauhalten. Auch auf den Inseln, so sagen uns die Fischer, seien gerade keine mehr. An den Ufern sehen wir vereinzelt Gruppen von (sich) waschenden oder badenden Dorfbewohnern, die  uns zu winken. Die Kinder schicken uns ihren Singsang-ähnlichen „Cadeau“-Ruf über das Wasser entgegen! „Fofooooo, donne-moi cadeaaaaaaaaaau!“ Zu komisch. Es wird gescherzt, sie sollen doch rüberkommen, dann würde man ihnen sogar etwas  geben.  Es ist echt krass, dass die Kleinkinder, die wohl kaum bzw. noch gar nicht sprechen können, schon das „Cadeau“ beigebracht bekommen…

Nach ca. einer Stunde kommen wir (jara und ich krebsrot) wieder am beinahe ersehnten Ufer an. Kurzer Weg noch zum Auto und dann nur noch wenige Momente, bis die Klimaanlage gefühlte arktische Verhältnisse schafft^^ Wir fahren zurück zum Hotel, verabschieden uns von M Balla, die „Herrschaften“ „springen“ :) noch eben in den niedlichen Pool unter dem über hundert Jahre alten Baum und nach ‘nem kühlen Getränk geht’s weiter zurück nach Niamey. – Die zugehörigen Bilder findet Ihr im Webalbum.

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