Alexanders Weblog

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Archiv für Dezember, 2008

Tabaski

Morgen geht es mal wieder so richtig los: Tabaski, das islamische Hammelfest, steht auf dem Programm - dieses Jahr am 8./9. Dezember! Es baut auf die Bibel/Koran-Geschichte auf, in der Gott den Propheten auf die Probe stellt, indem er ihm befiehlt seinen Sohn zu opfern. Kurz bevor der Junge durch die Hand des Vaters stirbt und Gott nun von dem Glauben seines Propheten überzeugt ist, schreitet er ein. Nun wird der Hammel anstelle des Sohns geopfert.
Dies ist eine große muslimische Feierlichkeit, bei der auch hier im Niger unmengen an Hammeln geschlachtet werden.  Wochen vorher wird über Hammel und deren Preise diskutiert und zu der ellenlangen Begrüßungsformel kommt auch „et le moutoun?“ (und der Hammel?) dazu. Die Menchen sind nur noch auf der Suche nach günstigen, kräftigen Moutons und die Verkäufer ziehen mit den Festhauptfiguren durch die Straßen. Selbst aus dem Taxi heraus werden sie gekauft! Der Preis soll dieses Jahr angeblich sher hoch sein. Normal seien 40-50.000 F CFA. Problemlos konnte man aber auch am letzten WoE vor dem großen Fest Hammeln für bis zu 150.000 F CFA erstehen (Umgerechnet also ca. 60-200€). Da die Familienväter oftmals ihre ganze Familie mit Tieren versorgen muss, wird sich, obwohl es als Sünde gilt, großartig verchuldet… Tasbaski hat für die Muslime die Wichtigkeit wie für Christen Weihnachten!
Neben den ganzen Buschtaxen, auf deren Dächern die blökenden Viehcher geschnallt sind, haben sich heute auch noch zum Stadtbild die Hölzer gesellt. Sie wurden wie alles andere auch an den Kreuzungen verkauft, mannshohe rundgearbeitete Äste, mit deren Hilfe Morgen früh, nach der Schlachtung, die Tiere aufgeknüpft zum Räuchern bzw. Ausbluten aufgehängt bzw. gekreuzigt“ werden sollen. Morgens wird also getötet, aufgeknüpft/aufgehangen, geräuchert und gegen Nachmittag werden die ersten Einladungen zum „Moutonessen“ wahrgenommen. Am Tag darauf wird dann ebenfalls nur gefeiert und gegessen. Bei uns Weltwärts’lern sind auch schon diverse Einladungen eingegangen. Bei Jara und mir kollidiert das ein wenig mit den Museumsplänen, die wie zum Ramadanende, wieder eine 3-tägige Fete veranstalten. Wir sollen Arbeiten. ^^ Naja, ich werde versuchen, mich möglichst schnell wieder absetzen zu können, um auch noch was vom nigrischen Tasbaski und der Einladung haben zukönnen. Ich denke, in den kommenden Tage, kann ich Euch mit dem ein oder anderen Foto versorgen… In diesem Sinne also: Bonne fête!

Was sich hier sonst noch alles tut…

Momentaner Alltag: Formation de Photographie!

Der sieht so aus, dass wir gerade, während das Museum die Rohbauarbeiten für eine geräumige Dunkelkammer durchführt, sechs Museumsmitarbeiter in Sachen Photographie unterrichten. J

Dazu wurde der Büro- und ehemalige Aufenthaltsraum des service éducatif ausgemistet, damit wir uns dort bürotechnisch und mit Equipment einnisten konnten.
Pinnwände, Schreibtische, PC, Drucker und Scanner geben dem ganzen sogar ein ziemlich „unafrikanisches“ Ambiente.
Dreimal die Woche findet dort nun die „Formation de Photographie“ für sechs von der Direktion großartig ausgewählte Mitarbeiter statt. Jung und alt, so viele, weil bekannter Weise im Museum sich personaltechnisch jederzeit etwas ändern kann…
Die ganze Sache ist an sich sehr interessant, weil ich selbst auch vieles Lerne, aber auch weil wir so eng mit den Nigrern zusammen arbeiten, die wirklich pfiffig sind und mit ihren Ideen und Scherzen teilweise echt überraschen. So kommt es endlich zum wunderbaren kulturellen Austausch. ^^

 

Nächste Woche soll es dann nach vielen Trockenübungen, des „Films in die Spirale einlegen“ zur tatsächlichen Entwicklung in die Dunkelkammer gehen. D.h. „In sha allah“, wenn sie denn dann fertig ist…

Nachtrag

„Nachtrag“, irgendwie renn’ ich ständig hinterher. Woran mag das liegen? ^^Langsam wird’s jedenfalls langweilig die Unregelmäßigkeit auf die fehlende bzw. für mich mit meinem Laptop schwer nutzbare Internetverbindung zu schieben. Deshalb beschwer ich mich auch nur nebenbei über die nur noch schwer antreffbare Verbindung bei den Libanesen und liefere lieber nachträglich ein paar angekündigte Posts, die Euch mein derzeitiges Leben und jetzt speziell meine Arbeit hier beschreiben sollen.

Also, vergangene Woche aufarbeitendes: unterhalb.

Arbeitsfeldänderung im Museum!

Musée National

Hierzu gab‘s schon diverse Andeutungen. Unsere früheren Projektideen, die größtenteils von unserer Chefin angekurbelt wurden, haben sich im Sande verlaufen… Das Problem bei der letzten Sache und weshalb hier zwischenzeitig „Achterboaahn“ war, war das Missverständnis zwischen den „Weißbroten“ und den Museumsleuten, unsere beiden Chefs und der Direktion. Man hatte sich nicht ausdrücklich auf vormittags als Zeitpunkt für unsere geplanten Informations-Spiel-Veranstaltungen an den Schulen geeinigt hatte. So war es für die Afrikaner klar, dass wir nachmittags anrücken würden, was natürlich nicht angehe, wenn es sich um eine verpflichtende, Lehrveranstaltung handle. Vormittags, während des Unterrichts, an den Schulen etwas „Lehrplanfernes“ wie Spiele machen zu wollen, das gibt es nun mal nicht in Afrika. Deshalb gingen Koordinatorin und 2. Direktor zum Ministerium, um einen entsprechenden Antrag zustellen. Dort sagte man, es falle natürlich nicht in ihren Aufgabenbereich – so ist es hier übrigens immer, wenn man etwas haben möchte, es offiziell laufen soll. Man solle es aber dennoch hier einreichen, damit es von dort weiter nach oben –von Schreibtisch zu Schreibtisch – gelegt werden könne. Ein Jahr würde das dann schon dauern. Und zack, gestorben…
Praktischer Weise kam zu ungefähr diesem Zeitpunkt gerade Manfred an.

Manfred…

… ist Fotograf, Designer und eine Art Museumpädagoge!? Lasst mich jetzt nicht lügen. // Generell, wenn das hier jemand liest, der ‘nen „besseren“ Plan von all dem hat, ihm was auffällt, wo ich Quatsch erzähle, er soll sich schnell per Kommentar melden! // Er kommt aus Bremen, macht sein Sabbatjahr und ist nicht mehr ganz in unserem Alter^^ Trotzdem aber sehr freundlich und umgänglich. :-)  Aber seht selbst: 

In den Niger und ins Nationalmuseum hat es ihn verschlagen, weil seine Frau vor wenigen Jahren hier beim ded gearbeitet, er hier mehrere Bekannte hat und er dem Museum gerne helfen möchte und es ein bisschen voranbringen möchte.
Also hat er sich zu Hause m.H. eines privaten Spenderkreises Equipment und Transportfinanzierung organisiert, um hier runter zu kommen. Praktischer Weise fast gänzlich ohne frz.-Kenntnisse, dafür braucht er nun Jara. ^^
Im Gepäck und nun auch endlich vom Zoll befreit und jetzt sogar auch schon eingerichtet, hat er eine komplette Dunkelkammer, mehrere Sätze Spiegelreflexkameras inkl. div. Objektiven, Laptops, Drucker, Scanner und Literatur.
Alles wird hier genutzt werden, um ein Archiv aufzubauen, was dann vom Museum selbst weitergeführt werden soll. Dazu kommt eine Runderneuerung, sämtlicher bereits bestehender Fotografien in den Ausstellungspavillons und eine gründliche Einführung für Museumsmitarbeiter in die Materie der Photographie und Fotoentwicklung!
Gegen Ende seines sechs monatigen Aufenthalts möchte er zusammen mit den Museumsleuten eine Ausstellung auf die Beine stellen, anhand deren Planung und Konzeption, er den Leuten hier moderne Museums-/Ausstellungsmethoden näher bringen bzw. zeigen will.
Außerdem hat er bei der Botschaft erfolgreich Gelder für die Erneuerung des 1966 von H. Lübke gestifteten Musikpavillons beantragt. Ein weiteres Projekt…
Da es Jara und mir momentan an Alternativen mangelt, bilden wir nun nach Absprache mit unserer Koordinatorin zusammen mit Manfred ein Team und arbeiten nun an den o.g. Punkten gemeinsam.