Der Präsident Mamadou Tandja (MNSD) hat das Parlament (Assemblée Nationale) aufgelöst. Das erfuhr ich heute gegen Mittag an meinem Projektplatz und seitdem ist es in aller Munde.
Dieser Schritt ist wohl Teil der längere Geschichte, welche die Bemühungen des seit 1999 amtierenden Präsidenten, sich mit aller Kraft eine weitere (bisher) verfassungswidrige dritte Legislaturperiode zu beschaffen, beschreibt.
Einige Wochen zuvor hatte es bereits Ankündigungen gegeben, Tandja werde eine neue, die somit sechste Republik ausrufen, um die Verfassung „zu seinen Gunsten überarbeiten“ bzw. schlichtweg den Punkt „einmalige Wiederwahl“ streichen zu können.
Der schon zur ersten Amtszeit mit nur knapper Mehrheit direkt gewählte Präsident hat auch noch bzw. gerade heute um die Mehrheit zu kämpfen. Um also seine geplante Verfassungsänderung durchzusetzen, wurde bereits letzte Woche mindestens ein Minister (für Jugend, Sport und die francophonischen Spiele) ersetzt – angeblich durch einen treuen Gefolgsmann… Und man scherzte im Radio auf die Aussage, man habe hier seinen Job noch nicht erledigt: „Der Junge hat ja auch jeden Grund weiter zu machen, denn er hat den Niger ja immerhin in der Liste des Human Developpement Index weiter zurückgeworfen!“
Heute vormittag wurde die Nationalversammlung aufgelöst, wozu der Präsident übrigens berechtigt ist, was vielen, so erschien es mir heute, nicht unbedingt bewusst ist und deshalb allem etwas mehr Brisans zusprechen. Angeblich muss jetzt jedenfalls erst einmal 80 Tage gewartet werden, bevor die Neuwahl angesetzt werden kann. Die Wahl nach Zeitplan sollte, wie auch die des Präsidenten, im Dezember diesen Jahres stattfinden. Hätte Tandja da also noch eine Mehrheit erzielen können?
Die Einwohner Niameys bleiben, soweit ich das heute mitbekommen habe, gewohnt entspannt. „Nein, man kann nichts mehr machen – jetzt ist es zu spät.“
Gespannt sei man jedoch jetzt auf konkrete internationale Reaktionen, in dessen Zusammenhang mir auch der Begriff „Staatsstreich“ zu Gehör.
Interessiert werde ich mich gleich zu meinem wöchentliches Fußballspiel mit den Zöllnern der Direktion Niamey begeben, um zu sehen, welche Neuigkeiten mich dort erreichen werden. Der direkte Weg zum Kunstrasenplatz (^^) führt übrigens am Gebäude der Assemblée vorbei. Ich werde sehen, ob man da überhaupt noch lang kommt. Wobei, wie bereits beschrieben, die Stadt heute den ganzen Tag absolut ruhig gewesen sein soll und wohl auch anzunehmender Weise bleiben wird. Sich zu Sorgen wäre daher wohl unangebracht. In jedem Fall werde ich versuchen euch über alle weiteren spannenden Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.
(Man erinnere sich daran, dass dieser Artikel von einem jungen, dt. Freiwilligen, der sich seit erst ca. 10 Monaten im für ihn vorher absolut fremden afrikanischen Land Niger aufhält und ein nicht annähernd perfektes Französisch spricht.
Und jetzt etwas zum pol. Geschehen?
Naja, wollte ich noch loswerden, dass ich jedenfalls auf Anmerkungen, Diskussionen und auch Verbesserungen jeder Art gespannt bin.)

klingt ganz danach als würdest du den typen stürzen wollen, um ein königreich aufzubauen…ganz nach geschichtlichen ereignissen: „alexander der große“!^^
oder doch alles nur ein gefakter bluff?
pass auf dich auf mein jung!