Alexanders Weblog

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zu den aktuellen politischen Entwicklungen

Politisch? Naja, der erste Teil, der zumindest in die Kategorie „Entwicklungen“ passt, gehört in jedem Fall der enorme Rückschlag, den die „Niameyaner“ letzte Woche hinnehmen mussten: die Zerstörung des „Grand Marché“ durch ein Feuer! Man weiß nicht, ob es sich um Brandtstiftung handelt, man sagt jedoch, dass es eigentlich jährlich geschehe…
Politisch: Wie angekündigt fanden in den letzten Tagen Demonstrationen in ganz Niger statt. In Dosso, ca. 2h von Niamey, kam es zu größeren Auschreitungen, bei denen die Polizei eingreifen musste: Autos und mindestens die Einrichtungen eines staatliches Gebäude wurden in Brand gesetzt… An diesem Wochenende wird es eine große Demo in Niamey, im Gebiet der Nationalversammlung geben, dessen Verlauf entsprechend wird es dann wohl eine offizielle Bekanntmachung der dt. Botschaft zur „Sicherheit der Deutschen“ im Niger geben. Mehrfach wurde während unseres Seminars in Zinder die Prozedur einer möglichen Evakuierung im Falle eines Staatsstreiches diskutiert… Ich halte euch auf dem Laufenden!

Manfred…

… ist Fotograf, Designer und eine Art Museumpädagoge!? Lasst mich jetzt nicht lügen. // Generell, wenn das hier jemand liest, der ‘nen „besseren“ Plan von all dem hat, ihm was auffällt, wo ich Quatsch erzähle, er soll sich schnell per Kommentar melden! // Er kommt aus Bremen, macht sein Sabbatjahr und ist nicht mehr ganz in unserem Alter^^ Trotzdem aber sehr freundlich und umgänglich. :-)  Aber seht selbst: 

In den Niger und ins Nationalmuseum hat es ihn verschlagen, weil seine Frau vor wenigen Jahren hier beim ded gearbeitet, er hier mehrere Bekannte hat und er dem Museum gerne helfen möchte und es ein bisschen voranbringen möchte.
Also hat er sich zu Hause m.H. eines privaten Spenderkreises Equipment und Transportfinanzierung organisiert, um hier runter zu kommen. Praktischer Weise fast gänzlich ohne frz.-Kenntnisse, dafür braucht er nun Jara. ^^
Im Gepäck und nun auch endlich vom Zoll befreit und jetzt sogar auch schon eingerichtet, hat er eine komplette Dunkelkammer, mehrere Sätze Spiegelreflexkameras inkl. div. Objektiven, Laptops, Drucker, Scanner und Literatur.
Alles wird hier genutzt werden, um ein Archiv aufzubauen, was dann vom Museum selbst weitergeführt werden soll. Dazu kommt eine Runderneuerung, sämtlicher bereits bestehender Fotografien in den Ausstellungspavillons und eine gründliche Einführung für Museumsmitarbeiter in die Materie der Photographie und Fotoentwicklung!
Gegen Ende seines sechs monatigen Aufenthalts möchte er zusammen mit den Museumsleuten eine Ausstellung auf die Beine stellen, anhand deren Planung und Konzeption, er den Leuten hier moderne Museums-/Ausstellungsmethoden näher bringen bzw. zeigen will.
Außerdem hat er bei der Botschaft erfolgreich Gelder für die Erneuerung des 1966 von H. Lübke gestifteten Musikpavillons beantragt. Ein weiteres Projekt…
Da es Jara und mir momentan an Alternativen mangelt, bilden wir nun nach Absprache mit unserer Koordinatorin zusammen mit Manfred ein Team und arbeiten nun an den o.g. Punkten gemeinsam.

Alex, tu es bon!?

Oui, je suis bon, et je vais bien!

So, heute habe ich nochmal bzw. mal weder einen Anlauf gemacht, meine ganzen vorgeschriebenen Artikel hier z veröffentlichen und mit Bilder zu versehen – habe es nur leider mal wieder nicht zu Ende bringen können. Internetausfall und Zeitmangel… ^^
Die restlichen Artikel werden evtl. schon morgen hier zu finden sein.
Lieben Gruß und bis hoffentlich Moin!

Ouagadougou.

Die Burkina Faso Tour

Anfang November war die Zeit gleich doppelt günstig, das westliche Nachbarland Burkina Faso zu besuchen. Eine meiner beiden Chefinnen, die auch gerad rüber wollte, bot mir nämlich einen Platz in ihrem Wagen an. Das bescherte mir eine sehr komfortable und vor allem schnelle Reise. Für den Rückweg war vorgesehen, dass ich mich nach heimkehrenden Ded’lern umhören sollte, um eine Rückfahrgelegenheit zu finden, „ansonsten sei aber der Bus fällig“. Dass wir direkt bei der Ankunft einen Bekannten trafen, der auch just am nächsten Sonntag wieder nach Niamey wollte, konnte ich nicht ahnen. J Grund Nummer zwei war die SIAO, eine, alle zwei Jahre stattfindende, afrika-weite Kunsthandwerksmesse, die genau in der Zeit meines Aufenthalts ihre Pforten öffnen und wie gewohnt massenweise Gäste von überall her anlocken würde. Beste Voraussetzungen also, um den Weltwärts’lern in Ouagadougou und Umgebung einen Besuch abzustatten.

Zur Stadt und den Unterschieden

Als wir nach Ouaga „reinbretterten“  sah zunächst alles aus wie immer: die Außenbezirke, wie Niamey. Auf den schlechten Straßen lediglich mehr Mopeds, relativ viel Platz und kleine afrika-, stadttypische Wohnbauten. Umso näher wir dem Zentrum kommen, stellt sich heraus, dass es sich hier modernere Gebäude an einander reihen und sie irgendwie gequetscht erscheint. Generell wirkt es um einiges „verbauter“ als in Niamey.
 Als nächstes fällt die erhöhte Verkehrsdichte mit den Massen an Motos und den wenigen grünen Taxen auf. Direkt scheint alles gestresster und sogar die Luft macht direkt einen „ungesunden“ Eindruck. Schnell erkennt man, dass die Umgebung nicht zu 95%, sondern nur ca. 50% aus Moslems besteht. Die zahlreichen streng Gläubigen, die die niameyschen Straßen prägen, sucht man fast vergebens. Ein weiterer großer Unterschied, stellt die mit den stetig steigenden Preisen Hand in Hand gehende, steigende Kriminalität. Während meines Aufenthaltes wurden bei zwei Überfällen, jeweils Weltwärts-Leute, entweder Tasche oder per Überfall Wertsachen gestohlen – die Taschen sogar auf’m Moped sitzend und an einer Ampel wartend, einfach hinterrücks abgeschnitten. Sonstige Unterschiede: kein Sand auf den Straßen und viele große Seen, Wasserreservoirs, … keine Kamele.

SIAO

Es war also eine Woche Urlaub, in der wir drei Mal auf der SIAO waren. Beim ersten Besuch konnte ich mich noch zurückhalten, beim zweiten ging das große Kaufen los und beim dritten habe ich mich nur noch geärgert, dass ich hier kein Haus komplett einzurichten habe, das ich auch noch mehrere Jahre bewohnen würde. ^^

Unfassbar, was dort alles angeboten wird! Einfach alles! All das, was man im besagten Haus benötigen würde! Jeder Künstler/Verkäufer hat seinen kleinen Stand mit Namens- und Herkunftsschild. Extrem viele davon füllen eine von insgesamt, glaube ich, vier riesigen Halle, bei dessen betreten man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt. Einige Ausstellungssäle sind klimatisiert, wofür man natürlich extra latzt. Schmuck in unfassbaren Mengen: Ketten, Kolliers, Ohrringe und Armreifen stellen wohl den Hauptanteil der Ausstellungsstücke.

 

 

Danach direkt sämtliche anderen Holzarbeiten: Trommeln, Masken, Skulpturen, Türen, Stühle/“Sessel“ etc. Dann eine immense Auswahl an verschiedenen Stoffen und alles, was daraus gemacht wird: Handtaschen (ganz groß im Rennen), Bubus (Traditionelle Gewänder) oder Hängematten ^^. Nicht zu vergessen die zahlreichen Sachen aus Korb: die bekannten Einkaufskörbe, Taschen, Hüte und komplette Couch-Garnituren! Natürlich gab es noch zig weitere Angebote wie z.B.  grelle Bilder, BioFrüchte, Mangoessig oder Ananassaft.
Interessant war zu sehen, dass sich sehr viele Künstler offensichtlich auf  moderne Gestaltung beschränken: Vieles, darunter vor allem Ringe, generell den kompletten madagaskanischen Stand mit seinen Hüten oder die besagten Handtaschen, hätte man locker in europäischen Boutiquen wiederfinden können!

Zinairé, parc animalier

An den Zwischentagen besuchten wir z.B. den Tierpark in Zinairé, den privaten Park des Präsidenten. Dem ich, beauftragt vom Museum, einen Besuch abstatten sollte und eine Art Vergleichsstudie zum national Museum in Niamey machen sollte. Als ich da allerdings mit einen netten Schreiben und den herzlichen Grüßen meines Chefs auftauchte, fühlten sich die ansässigen Aufseher evtl. ein wenig in ihrer Autorität untergraben und stellten mir, trotz vorheriger Anmeldung, einen strengen Guard zur Seite, der aufpasste, dass ich max. nur ein Bild pro Tier und keine Terrainaufnahmen machte, mir nichts bzw. keine Namen aufschrieb und keine Skizzen anfertigte, also keinen Blog oder Stift in der Hand hatte. Desweiteren wollte man mir nicht glauben, dass meine „Kamera“ keine VIDEO-Kamera sei, denn ich nenne sie ja “Kamera“… Ein ziemlicher Reinfall, die „Studie“, weil ich vor allem die größeren Gehege dokumentieren wollte, um im Musée damit ein wenig werben zu können. Es sei eben nicht zu vergleichen, denn der Park dort sei „privé“ und das Musée National, nun mal „national“!
Immerhin hatte sich der Ausflug mit geliehenem (seeeehr schnellem) Roller, bei dem uns direkt auf der Hinfahrt der Gashahn auf Maximum festhing und wir erst mal beim nächsten Mechaniker anhalten mussten,  ins 35km entfernte Zinairé doch noch gelohnt, weil wir mehrere Zwischenstopps einlegten.
Einmal, um bei einem Waisenhaus, wunderbares, frisches Brot zu erstehen und des Weiteren, um auf der Rückfahrt bei einer Art Ziegenfarm lecker Salat mit Ziegenkäse zu essen.
J
Danach waren wir noch bei ‘ner Art Touri-Anlage, direkt an einem großen See gelegen, mit Bars und Schwimmbecken.

Sonstiges Programm

Zweimal waren wir am Pool eines krassen Hotels, wo man sich dann spätestens voll und ganz wie im Urlaub fühlt und mehrfach waren wir lecker essen. Z.B. in einem Wiener Café – Na gut, zu Kuchen und Eis. ^^
Wir haben also meistens die Unternehmungen in weißbrot-gruppen-manier gemacht, also wer von den Weltwärtslern dort gerade Spaß hatte war dabei. Bei ‘ner kleinen Fete bei den „Solarzivis“, waren dann soweit ich weiß, fast alle an Bord. Lecker Essen, Trinken, Musik und lustige Gespräche. Das war ‘ne spaßige und lang nicht mehr gesehene Sache: angetrunkene Jungs, die quatsch erzählen! Meine Mitbewohner Mädels sind da ja dann doch etwas zurückhaltender. ^^

Was sonst noch war…

Generell unterscheidet sich Weltwärts dort, im Vergleich zu hier, enorm. Zunächst sind sie nicht so zentral, wie wir untergebracht, sondern eher verstreut in der Stadt, größtenteils einzeln und mit viel weniger Komfort einquartiert. Oftmals direkt bei der Organisation, in der sie arbeiten, oder eben zusammen mit nationalem Mentor oder eben Bezugsperson. Das begünstigt die Integration, führt aber auch schnell zu Unmut und wahrscheinlich, so erschien es mir, könnte es auch zur steigenden Demotivation beitragen. Das scheint der Vorteil der niamey‘schen Unterbringungsart zu sein: Ist man zu mehreren Deutschen in einem Haus, oder in unmittelbarer Distanz, baut man sich gegenseitig auf, ist immer für einander da und man hat direkt jemanden, um irgendwas zu starten. Insgesamt scheint unsere Art hier die Unsicherheit enorm zu verringern…
Die Woche war sehr interessant und ich habe viele nette Leute kennengelernt und konnte mir endlich mal ein weiteres Bild einer afrikanischen Stadt machen.
Nigers Hauptstadt Niamey ist mit seinen 900.000 Einwohnern halt doch eher ‘nen Dorf. Genossen habe ich auch die beiden Fahrten, auf dessen 500 km man die Veränderungen in Landschaft, Flora und Fauna (z.B. Auftauchen von unzähligen Geiern in Richtung Ouaga) mit verfolgen konnte, man sich nett unterhalten hat, wir das Burkina Faso’sche Radrennen kreuzten, an Buschfeuer, Bilderbuchsiedlungen und riesen Schlaglöchern vorbeikamen… In diesem Sinne: Vielen Dank für die Mitnahme und natürlich die spannende Woche!